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Ständiger Ärger macht krank

Hans-Peter Nolting gibt zu, dass man sich Männer wie Frauen manchmal ganz gerne ärgern. Wenn ein ganz spezieller Feind wieder einen Grund liefert, über ihn zu meckern, hat das für den Schimpfenden auch eine wohltuende Seite. So hat man wenigstens keine Veranlassung, seine Einstellung dem Feind gegenüber zu verändern. Hans-Peter Nolting, der sich seit Jahrzehnten mit dem Themenkreis Aggression und Gewalt beschäftigt, viele Jahre davon als Dozent für Psychologie an der Universität Göttingen, stellt allerdings klar: „Doch grundsätzlich zählt Ärger zu den negativen Gefühlen, ähnlich wie Angst oder Ekel, und ähnlich wie diese ist er im Prinzip ein sinnvolles Signal: Hier ist etwas nicht in Ordnung, hier sollte man etwas ändern.“ Und durch den Ärger kann man manchmal sogar ungeahnte Kräfte mobilisieren, um die gewünschte Veränderung zustande zu bringen. Bis zu diesem Punkt hat der Ärger eigentlich fast nur Lob verdient.

Ärger zerstört soziale Bindungen

Aber Ärger kann auch zu ernsthaften Belastungen und Schäden führen. In seiner akuten Form beeinträchtigt er das Leistungsvermögen und die Konzentration. Ist der Ärger sogar von Dauer, verursacht das sogar einen chronischen Stresslevel, der verschiedenste Krankheiten hervorrufen kann. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hoher Blutdruck, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und depressive Störungen. Nicht zuletzt führt Ärger zu aggressiven oder zumindest gereizten Handlungsweisen. Männer oder Frauen, die zu ausgeprägten Ärger neigen, zerstören dadurch oft ihre sozialen Bindungen.

In manchen Fällen landen Menschen mit extremer Ärgerneigung sogar wegen ihrer Gewaltausbrüche oder Verkehrsdelikten, die sie aus Wut begehen, vor dem Richter. Hans-Peter Nolting rät: „Sich weniger zu ärgern und mit aufwallendem Ärger weniger destruktiv umzugehen würde ihnen wahrscheinlich zu einem glücklicherem Leben verhelfen.“ Der klinische Psychologe Sven Barnow hat umfangreiche Studien darüber erstellt, welche Taktiken Menschen im Umgang mit ihren Emotionen einsetzen. Oftmals finden diese Vorgänge im Unterbewusstsein statt. Sven Barnow vertritt die These, dass Erfolg, Gesundheit und Wohlbefinden erheblich davon abhängen, wie man seine Emotionen wahrnimmt und mit ihnen umgeht.

Ständiges Grübeln kann zu Depressionen führen

Jeder Mensch kann seine Gefühle regulieren, doch leider tut er es nicht immer so, dass er dadurch sein Wohlbefinden wieder herstellt oder sogar verbessert. Ob nachtschwarze Stimmungen, Ärger oder Angst – es ist zunächst einmal entscheidend, persönliche Gewohnheiten zu analysieren, die die Stimmung eher verschlechtern als Wohlbefinden hervorzurufen, um dann hilfreichere Lösungen zu erlernen. Hans-Peter Nolting betont: „Zu den eher schädlichen Strategien gehört langes Grübeln.“ Geschehenes zu analysieren und die nächsten Schritte festzulegen ist noch kein Grübeln, das Schaden anrichten kann. Wohl aber das ständige Denken an eine Situation, das den Tag bestimmt und doch zu keiner Lösung führt.

Wer auf dieses Art und Weise grübelt, kann leicht in eine depressive Stimmung hineingleiten. Das Kreisenlassen der Gedanken kann man zwar nicht einfach mit einer Stopptaste ausschalten, aber es gibt durchaus Strategien, es auf ein Minimum zu begrenzen, das für den Betroffenen nicht belastend ist. Hans-Peter Nolting kennt die Ziele eines guten Ärgermanagements: „Es sollte die Rückkehr zur „normalen“ Stimmung beschleunigen und die Affekte so weit dämpfen, dass man keine Dinge tut, die man später bereut.“ Darüber hinaus, kann man sich auch bemühen, eine gewisse Immunität gegenüber Anlässen des Ärgers zu entwickeln.

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