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Selbstheilungskräfte

Emotionen und Gedanken beeinflussen auf vielfältige Weise die Gesundheit jedes Menschen. Vor allem die Psyche ist in der Lage, die Selbstheilungskräfte des eigenen Körpers zu aktivieren. Professor Paul Enck, Psychologe und weltweit anerkannter Forscher über den Placebo-Effekt, untersucht an der Universität Tübingen, warum Medikamente aus Zucker, die weiße Kleidung eines Arztes und aufbauende Worte heilsam wirken. Eine Spritze, weiß Paul Enck, steigert die Erwartung auf Heilung sogar noch stärker als Pillen. Noch immer hat die moderne Medizin ihre Schwierigkeiten damit, zu akzeptieren, welch gewaltigen Einfluss die Psyche auf die Gesundheit des Körpers haben kann. Wie stark diese Wirkungen sein können, haben viele Studien über den Placebo-Effekt bewiesen. In der Medizin versteht man darunter eine Heilwirkung, die weder von einem Medikament noch von einer wissenschaftlich anerkannten Behandlungsmethode ausgeht. Placebo wird daher manchmal auch als „wirkungsloses Scheinmedikament“ bezeichnet. Doch in Wirklichkeit trifft gerade das Gegenteil zu, es ist äußerst wirksam.

Das Placebo wird auch als „innerer Arzt“ bezeichnet

Sogar bei starken Medikament tritt ein Placebo-Effekt auf. Paul Enck erklärt: „Bei Schmerzmitteln macht er etwa 40 Prozent der Wirkung aus.“ Bei psychischen Erkrankungen kann er ebenso wirksam sein. Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, sind nach einer Placebo-Behandlung mobiler. Hinter dem Placebo-Effekt steckt ein großartiges Heilprinzip der Medizin, das auch als „innerer Arzt“ bezeichnet wird. Paul Enck spricht in diesem Zusammenhang lieber von neurokognitiven Reaktionen und Konditionierung.

Kann ein Arzt bei seinem Patienten Vertrauen aufbauen und weckt mit seiner Therapie und den passenden Worten eine positive Grundeinstellung beim Kranken, dann hat das auch großen Einfluss auf die Psyche des Betroffenen. Und das alles zusammen setzt schlussendlich einen Prozess im Körper in Gang, sich selbst zu helfen. Man könnte auch sagen, der Arzt sorgt dafür, dass beim Erkrankten die Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Niemand bestreitet, dass der Körper eines Menschen über solche Kräfte verfügt.

Das stärkste Placebo ist der Arzt selbst

Schon Hippokrates, der in der Antike praktizierte, wusste: „Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt.“ Selbstheilung ist dabei keine Erscheinung, die einem Wunder gleicht, sondern ein alltäglicher Vorgang. Denn der Körper eines Menschen reguliert und regeneriert sich ständig. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Körper mit jeder Erkrankung in Eigenregie fertig werden kann, wenn er nur genügend Zeit dafür zur Verfügung hat. Bei manchen Symptomen muss der Arzt eingreifen, um den Kranken zu heilen.

Professor Ferdinand M. Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität in Frankfurt, betont: „Generell schätzen viele Menschen ihre Selbstheilungskräfte heute aber eher zu gering ein.“ Ferdinand M. Gerlach fordert die Ärzte dazu auf, den Rezeptblock öfter einmal nicht zu zücken: „Wir müssen den Patienten bei seiner Selbstheilung bestmöglich unterstützen.“ Ebenso gut wie Medikamente wirken seiner Meinung nach konkrete Anweisungen und Ratschläge, Zuspruch und Anteilnahme. Wissenschaftliche Studien belegen, dass das stärkste Placebo der Arzt selbst ist.

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