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Schlafmangel

Nach einer Studie der Krankenkasse DAK leiden 80 Prozent der Arbeitnehmer unter Schlafstörungen. Seit dem Jahr 2010 sind diese Beschwerden um 66 Prozent angestiegen. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet sogar unter besonders gravierenden Schlafstörungen, der sogenannten Insomnie. Für den Gesundheitszustand der Deutschen hat das gravierende Folgen. Der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley behauptet: „Schließlich macht fehlender Schlaf dick, dumm und krank.“ Kann sich der Körper in der Nacht zu wenig erholen, wird der Stoffwechsel beeinträchtigt und der Betroffene nimmt zu. Wer zu wenig schläft, leidet zudem unter Konzentrationsstörungen, wodurch auch das Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wird. Studenten und Schüler lernen schlechter und können weniger Stoff im Gedächtnis behalten. Und vor Kurzem haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich das Risiko für Infektionen bei einem Menschen deutlich erhöht, der nur ein paar Tage zu wenig Schlaf bekommt. Wer zu wenig schläft, zieht sich leichter eine Erkältung zu ist anfälliger für andere Ansteckungskrankheiten.

Viele Menschen können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.

Weil nur wenige Menschen mit Schlafstörungen zum Arzt gehen oder sich krankschreiben lassen, hat das für die Wirtschaft gewaltige Folgen: Fast die Hälfte der Erwerbstätigen ist bei der Arbeit müde und fast ein Drittel leidet regelmäßig unter Erschöpfung. Laut dem Report der DAK sind unter anderem die Arbeitsbedingungen für Schlafprobleme verantwortlich. Wer oft bis ans Limit seiner Leistungsfähigkeit malochen muss, bei dem steigt das Risiko, an der schweren Schlafstörung Insomnie zu erkranken.

Auch die ständige Erreichbarkeit nach Arbeitsschluss, Nachtschichten sowie Überstunden und auch starker Leistungs- und Termindruck gelten in diesem Zusammenhang als wichtige Gefahrenquellen. Andreas Storm, Vorsitzender der DAK, warnt: „Die zunehmenden Schlafstörungen in der Bevölkerung sollten uns wachrütteln. Viele Menschen kümmern sich nachts um volle Akkus bei ihren Smartphones, aber sie können ihre eigenen Batterien nicht mehr aufladen.“ Die meisten Menschen wissen nicht, wie wichtig der Schlaf für ihre Gesundheit ist.

Seit 2010 hat sich der Schlafmittelverbrauch fast verdoppelt

Auch in der Medizin findet das Thema Schlafstörungen wenig Aufmerksamkeit. Arno Deister, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, erläutert: „Dabei können sich Schlafstörungen ganz erheblich auf die psychische oder körperliche Gesundheit auswirken. Wir wissen heute, dass Schlafstörungen nicht nur Vorboten oder Begleitsymptome psychischer Erkrankungen sind, sondern auch einen Risikofaktor für Neuerkrankungen darstellen.“ Besonders häufig sind laut Arno Deister Patienten mit Depressionen betroffen, aber auch Abhängigkeitserkrankungen, Demenz und Angststörungen gehen oft mit Schlafstörungen einher.

Viele Betroffen greifen zu schnell zu Medikamenten, anstatt ihren Lebensstil zu ändern und sich um mehr Ruhe zu kümmern. Seit 2010 hat sich der Schlafmittelverbrauch fast verdoppelt. Jeder zweite betreibt Selbstmedikation und kauft rezeptfreie Schlafmittel in der Apotheke. Rund 25 Prozent der Betroffenen nehmen die Schlafmittel sogar länger als drei Jahre ein. Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, erklärt: „Heute werden noch immer zu viele Mittel mit Abhängigkeitspotential über zu lange Zeiträume eingenommen. Es ist wichtig, die Behandlung mit Schlafmitteln geschulten Ärzten zu überlassen.“

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