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Plötzlich Chef sein

Der Personaldienstleister Robert Half hat in einer Arbeitsmarktstudie herausgefunden, dass Angestellte, die plötzlich zur Führungskraft befördert wurden, am meisten damit Probleme hatten, den höheren Erwartungen gerecht zu werden. Für rund 20 Prozent der befragten Manager war dies das die größte Schwierigkeit. Weitere Probleme bereiten die neuen Kommunikationswege sowie das Treffen von Entscheidungen. Gerade zu Beginn ist es wichtig, sich in der neuen Führungsposition schnell zurechtzufinden. Denn ein höheres Gehalt und ein repräsentativer Titel sind nur ein Teil des Aufstiegs – mit der Beförderung steigen auch die Ansprüche. Alexander Wilhelm, Senior Client bei der Personalberatung InterSearch Executive Consultants, rät: „Man sollte Zeit zum Eingewöhnen geben und eventuell einen Mentor hinzuziehen.“ Dieser kann Ratschläge geben und dabei helfen, Fehler zu vermeiden, die ihm vielleicht schon selbst passiert sind. Eine grundsätzliche Schwierigkeit ist, dass sich in jedem Unternehmen, Behörde oder anderen Institution unterhalb der formalen Ebene auch eine informelle Ordnung etabliert, die von eigenen Rollen, persönlichen Erwartungen und Gruppen geprägt ist.

Wechsel in der Chefposition führen zu Unsicherheit

Wird der Wechsel in einer Führungsposition innerhalb eines Unternehmens vollzogen, verliert der zum Chef aufgestiegene Mitarbeiter seine alte Rolle und muss sich nun in seiner neuen zurechtfinden. Denn die Einsetzung in die offizielle Position bringt noch keine Nachfolge in die informalen Netzwerke, des Ex-Chefs mit sich. Der Soziologe Niklas Luhmann schreibt in seinem Buch „Der neue Chef“: „Solche informellen Funktionen werden mehr oder weniger latent ausgeübt und sind für den Nachfolger nicht offensichtlich.“

Laut Niklas Luhmann geht mit jedem Wechsel in der Chefposition eine Phase der Unsicherheit einher: „Diese dauert an, bis der alte Chef in seinen informalen Funktionen ersetzt und der neue, mit vielleicht anderen Funktionen, eingebaut ist.“ Der Personalexperte Alexander Wilhelm ergänzt: „Schwierig kann es werden, wenn die Beförderten bisher im Team als Mitglied gesehen wurden und alle Kollegen per Du waren, Chefs in der Regel aber gesiezt werden.“ Viele neue Führungskräfte neigen dann dazu, an den alten Gewohnheiten festzuhalten.

Ein Chef muss sich von seinem Team abgrenzen

Dabei kommt allerdings nur ein Chef heraus, der als Kumpel angesehen wird und daher weder den Mut noch die Kraft hat, seine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu führen. So sehr es auch mit Schwierigkeiten verbunden sein mag, so muss der Aufsteiger zwischen sich und seinen ehemaligen Kollegen eine klare Grenze ziehen. Denn eine verantwortungsvolle Führungskraft kann nicht immer bei allen Mitarbeitern beliebt sein, sondern muss auch Entscheidungen treffen, die für den einen oder anderen Mitarbeiter unangenehm sein können.

Personalberater Alexander Wilhelm weiß: „Ohne eine leichte Abgrenzung besteht die Gefahr, nicht als Vorgesetzter respektiert zu werden.“ Es ist allerdings auch nicht ratsam, sich zu sehr abzugrenzen, denn die Untergebenen könnten dies ganz schnell als arrogantes Verhalten auffassen. Der neue Chef sollte sich auch die Zeit nehmen, sich mit seinen Mitarbeitern über persönliche Angelegenheiten zu unterhalten. Zu einem guten Start in die Führungsposition gehören: Seine Ziele deutlich machen, aktiv das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen und die Position jedes Teamplayers ganz klar festlegen.

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