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Kritik und Ratschläge annehmen

Vor allem im Berufsleben braucht man nicht nur eine dicke Haut, um unberechtigte Kritik und gemeine Sticheleien abprallen zu lassen, sondern auch ein feines Gespür, um zu erkennen, wann es besser ist, die Ratschläge des Vorgesetzten oder der Kollegen anzunehmen. Aber natürlich ist auch klar: Von anderen gesagt zu bekommen, wo die eigene Leistung schwächelt, hat niemand besonders gerne. Es ist für viele Menschen nicht einfach, Kritik als etwas zu begreifen, dass einem in seiner persönlichen Entwicklung weiterhilft. Und gerade im Berufsalltag, wo Machtspiele und Konkurrenzkämpfe weit verbreitet sind, wird Feedback gerne als persönliche Kränkung missverstanden. Die Psychotherapeutin und Seminarleiterin Elisabeth Haas betrachtet die Kritik dagegen als ein Geschenk: „Wenn ich mir die Mühe mache, eine Person zu kritisieren, dann ist mir der Mensch nicht egal.“ Dieses Wissen können Menschen nutzen, um Verbesserungsvorschläge anzunehmen. Anstatt sich gleich zu rechtfertigen, sollte man laut Elisabeth Haas erst einmal Luft holen und sich eine Pause verschaffen.

Schlechte Kritik ist nur schwer zu erkennen

Elisabeth Haas ergänzt: „Auch zu sagen: „Puh, das trifft mich! Moment, da muss ich kurz durchatmen“ kann im ersten Augenblick helfen.“ Das schafft die benötigte Zeit, dem Kritiker zuzuhören, eventuell nachzufragen und dann ruhig über die Kritik nachzudenken. Vielleicht stellt sich am Ende des Denkprozesses heraus, dass die schlechte Bewertung gar nicht gerechtfertigt war. „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“, besagt eine Volksweisheit. Und das ist durchaus gerechtfertigt, denn nicht immer haben Menschen, die Kritik äußern, das Beste im Sinn.

Im besten Fall kann der Kritisierte eine schlechte Kritik, also eine solche, die es mit dem anderen nicht unbedingt gut meint, von guten Ratschlägen unterscheiden. Die Psychotherapeutin Elisabeth Haas bestätigt aber, dass dies verdammt schwer ist: „Am ehesten erkennt man sie an der Art, wie die Kritik vorgetragen wird. Reine Du- und Sie-Botschaften können ein Hinweis auf schlechte Kritik sein, ebenso Killerphrasen wie „Sie schon wieder!““ Elisabeth Haas rät zudem, auf die eigenen Emotionen zu vertrauen.

Gegen böse gemeinte Kritik hilft Abgrenzung

Wer sich Diskussionen mit bestimmten Personen immer wieder traurig oder aggressiv fühlt, könnte schlecht formulierter oder böse gemeinter Kritik ausgesetzt gewesen sein. In einem solchen Fall hilft nur eine möglichst gute Abgrenzung, zum Beispiel mit Floskeln, die ins Leere gehen. Ein „Wenn Sie meinen“, könnte den Kritiker ausbremsen. Wenn man schon jemanden kritisieren möchte, sollte man dies wenigstens richtig tun. Und damit ist auf keinen Fall gemeint, einen kritisierten Kollegen noch zusätzlich anzugreifen und ihn dann richtig fertigzumachen.

Denn das Gegenteil ist richtig: Das Üben von Kritik will gelernt sein. Besonders wichtig ist dabei folgendes zu beachten: Hat man einem Kollegen etwas Kritisches zu sagen, sollte man niemals die Person an sich herabsetzen, sondern nur das Verhalten oder bestimmte Handlungen. Sympathien und Befindlichkeiten haben dabei nichts verloren. Elisabeth Haas fügt hinzu: „Wir vermischen oft die sachliche und die persönliche Ebene. Wenn wir kritisiert werden, beziehen wir die Kritik schnell auf die ganze Person, obwohl vielleicht nur einzelne Handlungen gemeint sind. Wie man mit Kritik umgeht, hat viel mit Selbstwert zu tun.“

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