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Intuition

Die menschliche Intuition ist mehr als eine plötzliche und manchmal überraschende Eingebung. Was sie hervorbringt, kann das ganze Leben eines Menschen beeinflussen, und dass oft in positiver Art und Weise. Der Psychologe Professor Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, stellt erstaunt fest: „In weiten Bereichen unserer Gesellschaft gilt Intuition als verdächtig.“ Viele Menschen halten die Intuition für eine göttliche Eingebung und missverstehen sie damit völlig. Manche denken bei ihr an einen sechsten Sinn, der in der Mystik beheimatet ist, da er ihrer Meinung nach gegen alle Kriterien der Logik verstößt. Laut Gerd Gigerenzer hat die Forschung aber längst bewiesen, dass die menschliche Intuition nicht nur eine Laune oder ein Impuls ist, sondern eigenen Regeln folgt. Jeder Mensch muss jeden Tag in seinem Alltag eine Unmenge von unwichtigen und wichtigen Entscheidungen treffen. Der Kognitionspsychologe Daniel Kahnemann unterscheidet dabei zwei Formen des Denkens: Die eine Art arbeitet im automatischen Modus, also intuitiv, schnell und mühelos.

Intuitive Entscheidungen sparen Energie

Die zweite Form des Denkens benötigt mehr Zeit, ist daher langsamer, zuständig für die Logik und Rationalität. Je nachdem welches Denksystem ein Mensch gerade benutzt, kommen verschieden Netzwerke von Nerven im Gehirn zum Einsatz. Intuitive Entscheidungen bringen einen Vorteil: Sie sparen Energie, da sie schnell und effizient getroffen werden. In manchen Situationen des Lebens können sie sogar über Leben und Tod entscheiden. Zum Beispiel wenn man unverhofft einem gefährlichen Raubtier begegnet.

Doch auch in ganz gewöhnlichen Situationen des Alltags müssen sich Menschen auf ihr sogenanntes Bauchgefühl verlassen können. Zum Beispiel in der Kommunikation mit anderen Individuen. Der Neurobiologe und Psychotherapeut Joachim Bauer vom Uniklinikum Freiburg, erklärt: „Ohne intuitive Gewissheit, was eine gegebenen Situation unmittelbar nach sich ziehen wird, wäre das Zusammenleben von Menschen kaum denkbar.“ Das menschliche Gehirn analysiert beispielsweise die Haltung, Gestik und Mimik des Gegenübers, ohne dass man selbst davon etwas bemerkt.

Intuition spielt sich im Kopf ab

Und das ist kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil: Denn das Bewusstsein wäre völlig überfordert, würde es die unzähligen Wahrnehmungen der Sinne, die in jeder Sekunde auf einen Menschen zukommen, nicht ins Unterbewusstsein verschieben. Die bewusste Verarbeitung von Informationen läuft zwar im Gehirn sehr genau ab, doch die Kapazitäten des sogenannten Arbeitsgedächtnisses sind schnell erschöpft. Beim Unterbewusstsein stellt sich die Lage anders da. Es besitzt die Fähigkeit, unendlich mehr Eindrücke zu verarbeiten.

Diese menschliche Fähigkeit ist zuständig für das unterschwellige und ständige Lernen, wodurch ein großer Schatz an Wissen angehäuft wird, aus dem man sich immer wieder bedienen kann. Die menschliche Intuition ist daher eigentlich ein Gefühl, das sich im Kopf abspielt. Das Bauchgefühl holt seine Informationen also aus dem Langzeitgedächtnis und greift dabei auf die Erfahrungen zurück, die ein Mensch im Verlauf seines Lebens gemacht hat. Auf Basis dieses Wissens bildet das Gehirn sogenannte Heuristiken, also Faustregeln, die dann auf neue Lebenssituationen angewendet werden. Gerd Gigerenzer erläutert: „Die Intelligenz des Unbewussten liegt darin, dass es, ohne zu denken, weiß, welche Regel in welcher Situation vermutlich funktioniert.“

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