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Eifersucht verwirrt den Verstand

Der Volksmund sagt: Eifersucht macht die Menschen blind. Blind für die Wirklichkeit. Eifersüchtige spionieren ihren Partnern nach und kontrollieren derer Internet-Accounts und die Smartphones. In besonders extremen Fällen ist Eifersucht eine Emotion, die ungeheuerliche Ereignisse auslösen und Menschen in ein rasendes Ungeheuer verwandeln kann. Dann liest man in der Presse Überschriften wie diese: „Frau erstochen. Das Motiv war Eifersucht.“ Wolfgang Hantel-Quitmann, Professor für Klinische Psychologie und Familienpsychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erklärt: „Eifersucht ist vor allem ein Denkfehler und Irrtum als Folge einer Verwirrung des menschlichen Verstandes.“ Sein neues Buch heißt „Die Othello-Falle. Du sollst nicht alles glauben, was du denkst“. Denn Othello ist für Wolfgang Hantel-Quitmann ein exemplarisches Beispiel des eifersüchtigen Ehemannes. Aufgrund von Gerüchten über die Untreue seiner Ehefrau, tötet er diese. Als er erkennt, dass ihn seine Frau nicht betrogen hat, bringt er sich um. Unbeantwortet bleibt dabei die Frage, warum Othello nicht mit seiner Frau Desdemona gesprochen hat, sondern die Lügen des Jago für die Wahrheit gehalten hat.

Eifersucht kennt jeder

Othello hat sich in einer Falle verfangen: Er schenkte dem Glauben, was sein Ohr vernahm, weil es zu seinem persönlichen Gedanken über sein eigenes Selbst, seiner Frau und seiner Partnerschaft passte. Sein schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl gaukelte ihm vor, er habe eine liebreizende Frau aus der Oberschicht nicht verdient. Othello hatte sich aus einem der unteren Stände emporgearbeitet. Daher glaubte er, seine Frau würde ihm untreu werden und sich einem anderen Mann zuwenden. Wolfgang Hantel-Quitmann stellt fest: „Er war weniger ein Opfer einer Intrige als ein Opfer seines eigenen Denkens.“

Die Eifersucht hat viel mit der Angst zu tun, einen Menschen zu verlieren, den man zu besitzen meint. Hinter der Angst vor dem Verlust können sich viele Ursachen verbergen: ein schwach ausgeprägtes Selbstvertrauen, den eigenen Wunsch nach einem Seitensprung, eine starke Phantasie, die von Angstgefühlen durchdrungen ist oder gar eine Erkrankung der Psyche. Wolfgang Hantel-Quitmann betont: „Jeder Mensch kennt Eifersucht als Angst, einen wunderbaren Menschen zu verlieren, und wer dies leugnet, täuscht sich.“

Die Eifersucht will eine Beziehung auf Ewigkeit

Daneben gibt es eine Eifersucht, die mit Argwohn verbunden ist, die sowohl durch einen fremdgehenden Partner als auch durch eigene Besorgnis verursacht sein kann. Wenn ein Partner untreu geworden ist, kann sich anschließend beim Betrogenen eine sogenannte reaktive Eifersucht einstellen. Als Krankheit wird die Eifersucht dann bezeichnet, wenn sie nur noch aus eigenen Traumbildern und Gedanken besteht, die einen Realitätscheck nicht standhalten. In der Emotion Eifersucht steckt immer der Vorwurf an den geliebten Lebensgefährten, fremd zu gehen oder es zu wollen.

Heutzutage ist es wegen der unendlichen Möglichkeiten der Auswahl besonders anstrengend, die ideale Frau oder den passenden Mann zu finden. Und wenn man glaubt, ihn entdeckt zu haben, entsteht zugleich eine wahninnige Furcht, ihn wieder entbehren zu müssen. Wolfgang Hantel-Quitmann stellt fest: „Manche Menschen wollen lieber weiter suchen, als wirklich finden.“ Für die Eifersucht gilt die Beziehung jenseits von Zeit und Raum. Sie will Besitz ergreifen, ihn sichern, die Furcht auslöschen und eine Beziehung auf Ewigkeit.

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