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Diäten ohne Jo-Jo-Effekt

Viele Menschen in Deutschland beginnen gerade im Frühjahr mit einer Fastenkur oder einer Diät. Allerdings stellen sich bei ihnen oftmals Frust und der sogenannte Jo-Jo-Effekt ein. Wer seine Ernährung auf Dauer auf gesunde Kost umstellen will, muss sich ab und zu eine Belohnung gönnen und das Gehirn mit kleinen Tricks hinters Licht führen. Etwa 25 Prozent der Deutschen wollen die Frühlingsmonate nutzen, um durch eine Diät, um einige Pfunde leichter, die Badesaison beginnen zu können. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung hat in den vergangenen 24 Monaten mindestens einmal probiert, durch eine Umstellung der Ernährung die Pfunde purzeln zu lassen. Traci Mann von der University of California erläutert: „Nur ganz wenige schaffen es, nach einer Diät ihr Gewicht auch zu halten. Ein bis zwei Drittel nehmen danach sogar so stark zu, dass sie mehr Gewicht haben als vor der Diät.“

Längerfristig scheitern fast alle herkömmlichen Diäten

Die amerikanische Wissenschaftlerin hat Daten über die herkömmlichen Methoden gegen das Übergewicht gesammelt und analysiert. Ihr Fazit ist glasklar: „Diäten sind keine Antwort. In den ersten sechs Wochen gelingt es wohl einigen, fünf bis zehn Kilogramm abzunehmen, doch längerfristig scheitern fast alle.“ Der Psychologe Christoph Klotter, der an der Hochschule Fulda lehrt, hat geprüft, warum Menschen immer wieder in ihr ehemaliges Verhalten beim Essen zurückfallen. Seiner Meinung nach ist das limbische System, ein entwicklungsgeschichtlich sehr alter Teil des menschlichen Gehirns, dafür verantwortlich.

Christoph Klotter erklärt: „Das limbische System verlangt erbarmungslos nach Belohnungen, doch die kann ja eine auf Verzicht ausgelegte Diät nicht bieten.“ Der Körper empfindet eine Diät vielmehr als Stress und unangenehme Ausnahmesituation, den Menschen nur sehr bedingt ertragen können. Christoph Klotter ergänzt: „Früher oder später ist die Toleranzschwelle überschritten und wir kehren wieder zu unseren alten Ernährungsgewohnheiten zurück.“ Die Ernährungspsychologin Nanette Ströbele-Benschop von der Universität Hohenheim vertritt die These, dass viele Diäten deswegen scheitern, weil sich nicht ihrer selbst willen durchgeführt werden.

Während einer Diät sollte man sich alle vier Wochen etwas Schönes gönnen

Die Ernährungsexpertin stellt fest: „Sie sind eher extrinsisch motiviert. Man will also irgendetwas mit ihnen erreichen, beispielsweise besser aussehen oder etwas für die Fitness tun.“ Doch diese Motive haben eine deutlich schwächere Wirkung, als wenn eine Diät aus innerem Antrieb und wirklichem Vergnügen gespeist werden. Forscher haben untersucht, wie man die Motivation für die Umstellung der Ernährung vergrößern kann und damit auch die Chancen, erfolgreich und nachhaltig abzunehmen.

Christoph Klotter vertritt die These, dass man dem Streben nach Belohnungen des limbischen Systems nachkommen solle. Der Psychologe rät: „Wenn ich ihm die positiven Erlebnisse durch opulentes Essen nehme, muss ich ihm als Ersatz andere Reize als Belohnung anbieten.“ Jedes Mal, wenn man einen Monat lang eine Diät durchgehalten hat, muss man sich etwas Schönes gönnen: zum Beispiel einen Film im Kino anschauen oder eine neue Hose in der neuen Konfektionsgröße kaufen. Zudem sollte man sich während einer Diät nicht zusätzlichen Belastungen aussetzen, da der Mensch nur über ein begrenztes Budget seines Willens verfügt. Wenn man neben der Diät noch mit einem anspruchsvollen Sportprogramm beginnt, ist die Gefahr groß, mit beiden zu scheitern.

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